Partnerschaft mit Osterwieck

Beitrag in der "Halberstädter Volksstimme" vom 7. Juli 2020
Beitrag in der "Halberstädter Volksstimme" vom 7. Juli 2020

Die Stadt Osterwieck und der Verein Medinetz Harz haben eine Kooperationsvereinbarung getroffen, um langfristig die ambulante medizinische Versorgung am Fallstein zu sichern. Elf Mediziner des Vereins betreiben in Zilly als MVZ Nordharz GmbH eine Hausarztpraxis.

 

Halberstadt/Osterwieck l Bei vielen Hausärzten der Stadt Osterwieck und ihren Ortsteilen steht ein Generationswechsel bevor. „Überall wird es schwieriger, junge Ärzte in ländliche Regionen zu locken“, sagte Bürgermeisterin Ingeborg Wagenführ (WG Buko) jüngst am Rande der Unterzeichnung einer Kooperationsvereinbarung mit Medinetz Harz. Man sei für die Unterstützung durch Medinetz im Gemeindegebiet dankbar. „Das könnten wir allein nicht leisten.“ Im Umkehrschluss unterstützt die Kommune die Mediziner im Rahmen ihrer Möglichkeiten.

Das Netzwerk Medinetz ist ein Zusammenschluss mit gegenwärtig 23 Haus- und Fachärzten sowie weiterer medizinischer Partner im Landkreis Harz. Es wurde im Oktober 2011 gegründet. „Ziele des Vereins sind die Steigerung der medizinischen Versorgungsqualität und eine Verbesserung der kollegialen Zusammenarbeit zum Wohle unserer Patienten“, berichtet Netzmanagerin Nadine Festerling. „Wir tauschen uns regelmäßig aus, stehen uns mit Rat und Tat zur Seite.“ Schließlich hätten alle die gleichen Sorgen.

In der Kreisstadt Halberstadt sei die medizinische Versorgung noch vergleichsweise gut, stellte Dr. Carola Janschinski vom Vereinsvorstand fest. Neben der Nachwuchsgewinnung stünden Probleme wie die Digitalisierung vor allen Praxen. „Die Politik macht die Vorgaben, doch wir müssen es vor Ort umsetzen.“ Wegen der verschiedenartigen Computersysteme in den Praxen sei manch gut gedachtes Vorhaben allerdings schwer umzusetzen, nannte sie ein konkretes Problem.

„Die jungen Ärzte machen sich heute mehr Gedanken um ihre Freizeit und die wirtschaftlichen Unsicherheiten einer Praxis. Und Frauen denken an das Kinderkriegen und Teilzeitarbeit“, so die Medizinerin. Das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) sei gerade mit Blick auf diese Punkte ein Zukunftsmodell. Damit könne auf Probleme bei Krankheit oder dem Ausfall von Personal besser reagiert werden.

Die Mitglieder des Vereins Medinetz Harz kommen einmal im Jahr zur Klausur zusammen, ansonsten gibt es quartalsweise Treffen. Der Vorstand stimmte sich wegen der Corona-Pandemie zuletzt nur per Video-Konferenz ab.

Nach Angaben von Bürgermeisterin Wagenführ gibt es in den 18 Ortsteilen der Stadt Osterwieck sechs Allgemeinmediziner, bei drei der sechs stehe in den nächsten Jahren ein Generationswechsel an. „Wir können mit einem entschleunigten Leben auf dem Land werben“, betont Wagenführ. Die Stadt wolle alles tun, um die möglichen Praxisnachfolger bei der Suche nach Krippen-, Kindergarten- und Hortplätzen zu unterstützen. Auch bei Grundstücksfragen stehe die Stadt interessierten Medizinern gern behilflich zur Seite. Schließlich sei dies bei Anfragen immer ein wichtiges Anliegen.

Osterwieck habe sich in den vergangenen Jahren für junge Leute gut entwickelt. Das liege sicher auch an der nahen Autobahn 36 – die sei „eine Goldader“. Vor Jahren habe sich der Stadtrat noch mit möglichen Kita-Schließungen befassen müssen. „Jetzt sind all unsere Plätze belegt“, berichtet das Stadtoberhaupt zufrieden.

Beide Partner hoffen, dass dank der unterzeichneten Kooperation besser auf künftige Versorgungsprobleme im medizinischen Bereich reagiert werden kann. Schwerpunkt bleibe die Gewinnung junger Mediziner für den ländlichen Raum. Da müssten viele Partner an einem Strang ziehen, sind sich die Vertreter von Medinetz Harz und der Kommune einig.